
Summary
Christoph Schröder begrüßt die Gäste im Schuhhaussaal des Kunstvereins Ulm zur Diskussion über die SWR Bestenliste im November, die seit über 50 Jahren monatlich von Literaturkritikern aus dem deutschsprachigen Raum erstellt wird. Die Jury besteht aus Cornelia Geißler, Klaus Nüchtern und Martin Ebel, die vier ausgewählte Bücher vorstellen, darunter Jerzy Weils Roman "Moskau, die Grenze", der auf Platz 7 der Bestenliste steht. Geißler hebt die tragische Biografie des Autors hervor, der als jüdischer Kommunist in der Sowjetunion lebte und dessen Werk aufgrund seiner kritischen Sichtweise auf das Stalin-Regime schnell verboten wurde.
Das Buch bietet einen eindringlichen Einblick in die frühen Jahre der Sowjetunion und behandelt die Herausforderungen und Enttäuschungen der Protagonistin Ri, die aus Prag nach Moskau zieht. Die Jury diskutiert die literarische Qualität des Romans und die persönlichen Erfahrungen, die Weil in seine Erzählung einfließen lässt. Nüchtern und Ebel betonen die nüchterne, aber detaillierte Darstellung der Lebensrealitäten in der Sowjetunion und die psychologischen Entwicklungen der Charaktere, die in einem Klima der politischen Repression gefangen sind.
Das Gespräch wechselt zu weiteren Büchern der Bestenliste, darunter Andrew Millers "Das Land im Winter" und Petra Morsbachs "Orion", die beide auf unterschiedliche Weise mit den Themen Identität, Gesellschaft und Literatur umgehen. Miller schildert das Leben in der englischen Provinz während des kalten Winters von 1962 und beleuchtet die zwischenmenschlichen Beziehungen der Protagonisten. Morsbachs Roman erzählt die Lebensgeschichte einer Deutschlehrerin, die durch Literatur Trost und Sinn findet, während sie sich mit den Herausforderungen des Lebens auseinandersetzt.
Den Abschluss bildet Paulus Hochgatterers "Mio und die Unsterblichkeit", der die Geschichte eines 16-jährigen Jungen mit spinaler Muskelatrophie erzählt. Die Jury hebt die tiefgründige und gleichzeitig humorvolle Erzählweise hervor, die sich mit Themen wie Leben, Tod und der Suche nach Bedeutung beschäftigt. Der Roman wird als ein Werk beschrieben, das trotz der schweren Thematik eine große Humanität ausstrahlt.
Show Notes
Kälte und Katzen – die Jury der SWR Bestenliste gastiert erstmals in Ulm. Im Schuhhaussaal des Kunstvereins geht es nicht nur einvernehmlich zu.
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