
Show Notes
Verbessern die sogenannten "Reformpläne" der Regierung das Leben der Menschen? Die Veränderungen berühren fast jeden Bereich – von der Rente über die Gesundheitsversorgung bis zum Elterngeld. Doch je genauer man hinschaut, desto mehr drängt sich der Eindruck auf: Das, was als große und nachhaltige Reformen verkauft wird, sind in weiten Teilen finanzielle Kürzungen.
Bundeskanzler Friedrich Merz hat bei seiner Sommerpressekonferenz noch mal betont, dass die Regierung dringend etwas tun müsse gegen die gigantischen Defizite, in welche die sozialen Sicherungssysteme wohl zwangsläufig rauschen würden, wenn man nichts täte. Von den geplanten oder bereits beschlossenen Gesetzesänderungen verspricht sich die Regierung nun, dass zum Beispiel die Krankenkassenbeiträge stabil bleiben – und dass die Veränderungen bei der Einkommensteuer sogar für eine spürbare Entlastung der Bevölkerung sorgen.
Doch Kritiker befürchten, dass vor allem Familien, Alleinerziehende und Arbeitnehmer:innen mit gesundheitlichen Problemen draufzahlen. Einer dieser Kritiker ist Maurice Höfgen. Der Ökonom, Autor und YouTuber (“Geld für die Welt”) zerpflückt die Regierungspläne im Gespräch mit Anne Will – und sagt, welchen Preis sie für wen haben werden. Aber wie könnte es besser gehen? Darum geht es in dieser Folge von “Politik mit Anne Will”.
Redaktionsschluss für diese Folge war am Mittwoch, den 15. Juli 2026 um 17 Uhr.
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06.10.26 Hannover
03.11.26 Berlin
WICHTIGE QUELLEN:
Bundesregierung: Ein Programm für Aufschwung und Beschäftigung, 02.02.2026
Institut der Deutschen Wirtschaft: Steuerreform sieht keinen Ausgleich der kalten Progression vor, Martin Beznoska/ Tobias Hentze, 07.07.2026
ZEIT: Karin Prien verteidigt geplante Kürzungen beim Unterhaltsvorschuss, 14.07.2026
https://www.zeit.de/politik/deutschland/2026-07/unterhaltsvorschuss-karin-prien-cdu-reform-gxe
RND: Mehr Vätermonate sind gut, weniger Elternmonate nicht, Christiane Jacke, 07.07.2026
SPIEGEL: Lieber 25 Euro Kinderzuschlag, Sebastian Fischer, 08.07.2026
FAS: Kredite der Bundesregierung – Lohnen sich 838 Milliarden Euro Schulden?, Patrick Bernau/ Ralph Bollmann, 11.07.2026
IMK/WSI: Vorschläge der Rentenkommission bringen teilweise Risiken für Wirtschaftswachstum und Sozialen Zusammenhalt, 24.06.2026
YouTube: Geld für die Welt – Darum ist das Reformpaket ein Desaster, Maurice Höfgen, 02.07.2026
https://www.youtube.com/watch?v=TxO0A-O4WAM&t=908s
Impressum:
Redaktion: Tobias Jaecker, Melisa Gürleyen
Executive Producerin: Marie Schiller
Producer: Patrick Zahn, Alex Kraudelt
Sounddesign: Hannes Husten
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Die CDU stecke in der schwersten Krise ihrer Geschichte, sagt Peter Altmaier, der für die CDU unter anderem Wirtschafts- und Kanzleramtsminister war. Seit 50 Jahren ist er Parteimitglied. In dieser Folge blickt Anne Will mit ihm auf die aktuelle Lage der Partei und auf den Zustand der schwarz-roten Koalition. Denn der Rücktritt von Bärbel Bas als Ministerin für Arbeit und Soziales sowie vom SPD-Vorsitz am Montag hat für Unruhe im politischen Berlin gesorgt. Bas begründet ihre Entscheidung mit einem privaten Trauerfall, kritisiert aber auch den Koalitionspartner. Die Union habe “öffentlichen Angriffe” gegen sie in dieser für sie “persönlich schwierigen Zeit weiter forciert”. Es ist ein nächster Schlag für die schwarz-rote Koalition, auch für den Bundeskanzler, für den der Rücktritt zur Unzeit kam: Merz versuchte gerade, seine CDU mit einer Präsidiumsklausur ein Stück weit aus der Krise zu manövrieren. Das Ergebnis blieb hinter den Erwartungen zurück. Die Stromsteuer solle, wie bereits im Koalitionsvertrag versprochen, für alle gesenkt werden, um das Leben bezahlbarer zu machen, versprach Merz. Das kassierte SPD-Finanzminister Klingbeil noch am selben Tag ein - dafür sei kein Geld da.
Anfang der Woche ist Bärbel Bas als Ministerin für Arbeit und Soziales zurückgetreten, auch den SPD-Vorsitz legte sie nieder. Grund dafür seien, neben einem Trauerfall in der Familie, auch Angriffe des Koalitionspartners. Die Union habe diese in der für sie “persönlich schwierigen Zeit weiter forciert”. Führende Stimmen der SPD schließen sich der Kritik an, die Union weist sie zurück. Am selben Tag hat Bundeskanzler Friedrich Merz die Ergebnisse der CDU-Führungsklausur vorgestellt, bei der die Parteiführung nach einem Weg aus ihrer schweren Krise gesucht hat. Die konkreteste Maßnahme, die der Bundeskanzler daraufhin vorgestellt hat: die Senkung der Stromsteuer für alle. Ob das allerdings klappen kann, das stellt SPD-Finanzminister Lars Klingbeil noch am selben Tag in Frage.
Es ist ein Tag, der in die Geschichte eingehen wird: Am 6. Oktober hat der Landtag in Magdeburg mit Tobias Rausch erstmals einen AfD-Politiker zum Parlamentspräsidenten gewählt. Rausch bekam dabei mehr Stimmen als AfD und BSW zusammen haben. Auch der als besonders radikal geltende Hans-Thomas Tillschneider schaffte es als Vizepräsident ins Präsidium. Woher die zusätzlichen Stimmen für Rausch kamen, ist unklar. Klar ist aber: Die angekündigte Enthaltung der CDU-Fraktion hat nicht gehalten, und die Fraktion von Sven Schulze wirkt zerstrittener denn je. Kanzler und CDU-Chef Friedrich Merz äußerte sich erst am Tag danach und brachte gleich eine mögliche „False-Flag“-Operation ins Spiel. Ganz anders Boris Pistorius: Er zog noch am selben Abend mit der SPD-Fraktion auf den Bebelplatz in Berlin und stimmte die Nationalhymne an. Die Union wiederum richtet den Blick augenscheinlich lieber nach Berlin. Dort haben Linke, SPD und Grüne vor ihren Sondierungsgesprächen Regeln für den Umgang mit Antisemitismus in den eigenen Reihen vereinbart.