
Die AfD schlagen – geht das mit Social Media? Live-Folge mit Nicole Diekmann und Lilly Blaudszun
Politik mit Anne WillShow Notes
Es ist eine historische Zäsur: In Sachsen-Anhalt gibt es den ersten Landtagspräsidenten einer rechtsextremen Partei. Darüber hinaus hofft AfD-Mann Ulrich Siegmund, bald zum Ministerpräsidenten gewählt zu werden. Dass es so weit kommen konnte, dazu haben auch der Einsatz und die Macht von Social Media beigetragen. AfD & Co. besetzten diesen Kommunikationsraum schon früh und nutzten ihn höchst effektiv. Zu Gute kommt ihnen dabei die algorithmische Verstärkung von Empörung, Krawall und Hass. Und die demokratischen Parteien? Sehen alt aus.
Wie könnten auch sie Social Media erfolgreich nutzen, wie lässt sich die AfD schlagen – auf TikTok, Instagram, X – und überhaupt? Darüber spricht Anne Will in dieser Live-Folge aus dem Kulturzentrum Pavillon in Hannover mit zwei ausgewiesenen Expertinnen. ZDF-Journalistin Nicole Diekmann begegnet Hass und Hetze in den Sozialen Netzwerken mit klaren Worten und Humor. Und Lilly Blaudszun hat als Wahlkampfmanagerin von SPD-Politikerin Manuela Schwesig in Mecklenburg-Vorpommern gerade eine äußerst erfolgreiche digitale Kampagne hingelegt. Was lässt sich daraus lernen, um die demokratische Mitte zu verteidigen und wieder in die Offensive zu kommen? Darum geht es in dieser Folge.
Redaktionsschluss für diese Folge war am 06.10.2026 um 19 Uhr.
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03.11.2026 Berlin
WICHTIGE QUELLEN:
Philipp Jessen: Shitfluencer - Wie Social Media Deutschlands Demokratie zerstören wird - oder retten kann. Westend, 2026.
T-Online: "Skandal" um einen Strandkorb: Es gibt kein Maß mehr, Kolumne von
Nicole Diekmann, 02.10.2026
T-Online: Siegmunds Strategie: Es gibt keine Entschuldigung, Kolumne von Nicole Diekmann, 09.09.2026
SZ: Die Stimme von Manuela Schwesig, von Georg Ismar, 15.09.2026
FAZ: Linkspartei und AfD: Wie entscheidend sind Tiktok und Co. für Wahlerfolge?, von Felix Schwarz, 22.09.2026
Spiegel: Mit dieser Strategie ist Manuela Schwesig die Aufholjagd zur AfD gelungen, von Jean-Pierre Ziegler, 21.09.2026
FR: Mecklenburg-Vorpommern hat gewählt: Sind soziale Medien jetzt das wichtigste Wahlkampf-Instrument?, von Lara Hempel, 21.09.2026
SZ: Schaut auf dieses Haus, von Trim Frehler und Iris Mayer, SZ, 04.10.2026
Impressum:
Redaktion: Sven Knobloch, Tobias Jaecker
Executive Producerin: Marie Schiller
Producer: Lukas Hambach, Hannes Huke
Sounddesign: Hannes Husten
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Die CDU stecke in der schwersten Krise ihrer Geschichte, sagt Peter Altmaier, der für die CDU unter anderem Wirtschafts- und Kanzleramtsminister war. Seit 50 Jahren ist er Parteimitglied. In dieser Folge blickt Anne Will mit ihm auf die aktuelle Lage der Partei und auf den Zustand der schwarz-roten Koalition. Denn der Rücktritt von Bärbel Bas als Ministerin für Arbeit und Soziales sowie vom SPD-Vorsitz am Montag hat für Unruhe im politischen Berlin gesorgt. Bas begründet ihre Entscheidung mit einem privaten Trauerfall, kritisiert aber auch den Koalitionspartner. Die Union habe “öffentlichen Angriffe” gegen sie in dieser für sie “persönlich schwierigen Zeit weiter forciert”. Es ist ein nächster Schlag für die schwarz-rote Koalition, auch für den Bundeskanzler, für den der Rücktritt zur Unzeit kam: Merz versuchte gerade, seine CDU mit einer Präsidiumsklausur ein Stück weit aus der Krise zu manövrieren. Das Ergebnis blieb hinter den Erwartungen zurück. Die Stromsteuer solle, wie bereits im Koalitionsvertrag versprochen, für alle gesenkt werden, um das Leben bezahlbarer zu machen, versprach Merz. Das kassierte SPD-Finanzminister Klingbeil noch am selben Tag ein - dafür sei kein Geld da.
Anfang der Woche ist Bärbel Bas als Ministerin für Arbeit und Soziales zurückgetreten, auch den SPD-Vorsitz legte sie nieder. Grund dafür seien, neben einem Trauerfall in der Familie, auch Angriffe des Koalitionspartners. Die Union habe diese in der für sie “persönlich schwierigen Zeit weiter forciert”. Führende Stimmen der SPD schließen sich der Kritik an, die Union weist sie zurück. Am selben Tag hat Bundeskanzler Friedrich Merz die Ergebnisse der CDU-Führungsklausur vorgestellt, bei der die Parteiführung nach einem Weg aus ihrer schweren Krise gesucht hat. Die konkreteste Maßnahme, die der Bundeskanzler daraufhin vorgestellt hat: die Senkung der Stromsteuer für alle. Ob das allerdings klappen kann, das stellt SPD-Finanzminister Lars Klingbeil noch am selben Tag in Frage.
Es ist ein Tag, der in die Geschichte eingehen wird: Am 6. Oktober hat der Landtag in Magdeburg mit Tobias Rausch erstmals einen AfD-Politiker zum Parlamentspräsidenten gewählt. Rausch bekam dabei mehr Stimmen als AfD und BSW zusammen haben. Auch der als besonders radikal geltende Hans-Thomas Tillschneider schaffte es als Vizepräsident ins Präsidium. Woher die zusätzlichen Stimmen für Rausch kamen, ist unklar. Klar ist aber: Die angekündigte Enthaltung der CDU-Fraktion hat nicht gehalten, und die Fraktion von Sven Schulze wirkt zerstrittener denn je. Kanzler und CDU-Chef Friedrich Merz äußerte sich erst am Tag danach und brachte gleich eine mögliche „False-Flag“-Operation ins Spiel. Ganz anders Boris Pistorius: Er zog noch am selben Abend mit der SPD-Fraktion auf den Bebelplatz in Berlin und stimmte die Nationalhymne an. Die Union wiederum richtet den Blick augenscheinlich lieber nach Berlin. Dort haben Linke, SPD und Grüne vor ihren Sondierungsgesprächen Regeln für den Umgang mit Antisemitismus in den eigenen Reihen vereinbart.