
Wie aussichtsreich, wie riskant wäre ein AfD-Verbotsverfahren? Mit Bijan Moini
Politik mit Anne WillShow Notes
Aufwind für die AfD, neue Diskussionen um ein Verbot der Partei, die vom Verfassungsschutz in Sachsen-Anhalt und weiteren Bundesländern als "gesichert rechtsextremistisch" eingestuft wird. Verteidigungsminister Boris Pistorius und der baden-württembergische Ministerpräsident Cem Özdemir forderten kürzlich in einem Gastbeitrag in der FAZ, zumindest gegen die “eindeutig völkischen Landesverbände der AfD in Thüringen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Brandenburg” ein Verbotsverfahren einzuleiten. Aber welche Argumente sprechen dafür – und welche dagegen? Die Gesellschaft für Freiheitsrechte e.V. (GFF) hat ein rund 1.500 Seiten starkes Gutachten erstellt, das zu dem Schluss kommt: “Die AfD ist verfassungswidrig.”
Jurist und Projektleiter Bijan Moini erklärt im Gespräch mit Anne Will, wie er und sein Team zu diesem Ergebnis gekommen sind, wie sie es geschafft haben, zehntausende von AfD-Dokumenten und drei Millionen Social-Media-Posts auszuwerten. Und was sie der Kritik entgegnen, ein Verbotsverfahren gegen eine Partei mit derart großer Zustimmung sei nicht vertretbar und zu riskant. Moini sagt, ein AfD-Verbot sei “das Schlimmste, was unserer Demokratie je passiert wäre” – aber auch ein nötiges allerletztes Mittel, bevor die Partei die Möglichkeit erlange, der Demokratie noch größeren Schaden zuzufügen. Außerdem sprechen Anne Will und Bijan Moini in dieser Folge darüber, welche konkreten Konsequenzen ein Parteiverbot hätte – und wie man sich auch ohne gegen die demokratie- und menschenfeindlichen Pläne der AfD wehren kann.
Redaktionsschluss für diese Folge war am Mittwoch, den 2. September 2026 um 16 Uhr.
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06.10.2026 Hannover
03.11.2026 Berlin
WICHTIGE QUELLEN:
Gesellschaft für Freiheitsrechte e.V.: Rechtsgutachten zur Frage der Verfassungswidrigkeit der Partei Alternative für Deutschland nach Artikel 21 Absatz 2 des Grundgesetzes, Juni 2026
Tagesschau.de: Wie der Projektleiter das AfD-Gutachten bewertet, Interview von Max Bauer und Alena Lagmöller mit Bijan Moini, 27.06.2026
https://www.tagesschau.de/inland/afd-verbot-gff-100.html
FAZ: Warum das neue AfD-Parteiverbotsgutachten nicht überzeugt, Gastbeitrag von Elisa Hoven und Marco Vöhringer, 29.06.2026
FAZ: Die Erkenntnislücke in Sachen AfD schließen, Gastbeitrag von Bijan Moini und Dana-Sophia Valentiner, 09.07.2026
FAZ: Warum das neue Gutachten über die AfD noch immer keine Gewissheit liefert, Gastbeitrag von Frauke Rostalski, 15.07.2026
FAZ: Warum wir den völkischen Teil der AfD verbieten wollen, Gastbeitrag Von Cem Özdemir und Boris Pistorius, 28.08.2026
Legal Tribune Online: Wie gefährlich ist das Wahlprogramm der AfD?, 29.08.2026
Die Zeit: Mehr als tausend Juristen unterstützen AfD-Verbot, 03.08.2026
https://www.zeit.de/politik/deutschland/2026-08/afd-verbotsverfahren-offener-brief-
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Die CDU stecke in der schwersten Krise ihrer Geschichte, sagt Peter Altmaier, der für die CDU unter anderem Wirtschafts- und Kanzleramtsminister war. Seit 50 Jahren ist er Parteimitglied. In dieser Folge blickt Anne Will mit ihm auf die aktuelle Lage der Partei und auf den Zustand der schwarz-roten Koalition. Denn der Rücktritt von Bärbel Bas als Ministerin für Arbeit und Soziales sowie vom SPD-Vorsitz am Montag hat für Unruhe im politischen Berlin gesorgt. Bas begründet ihre Entscheidung mit einem privaten Trauerfall, kritisiert aber auch den Koalitionspartner. Die Union habe “öffentlichen Angriffe” gegen sie in dieser für sie “persönlich schwierigen Zeit weiter forciert”. Es ist ein nächster Schlag für die schwarz-rote Koalition, auch für den Bundeskanzler, für den der Rücktritt zur Unzeit kam: Merz versuchte gerade, seine CDU mit einer Präsidiumsklausur ein Stück weit aus der Krise zu manövrieren. Das Ergebnis blieb hinter den Erwartungen zurück. Die Stromsteuer solle, wie bereits im Koalitionsvertrag versprochen, für alle gesenkt werden, um das Leben bezahlbarer zu machen, versprach Merz. Das kassierte SPD-Finanzminister Klingbeil noch am selben Tag ein - dafür sei kein Geld da.
Anfang der Woche ist Bärbel Bas als Ministerin für Arbeit und Soziales zurückgetreten, auch den SPD-Vorsitz legte sie nieder. Grund dafür seien, neben einem Trauerfall in der Familie, auch Angriffe des Koalitionspartners. Die Union habe diese in der für sie “persönlich schwierigen Zeit weiter forciert”. Führende Stimmen der SPD schließen sich der Kritik an, die Union weist sie zurück. Am selben Tag hat Bundeskanzler Friedrich Merz die Ergebnisse der CDU-Führungsklausur vorgestellt, bei der die Parteiführung nach einem Weg aus ihrer schweren Krise gesucht hat. Die konkreteste Maßnahme, die der Bundeskanzler daraufhin vorgestellt hat: die Senkung der Stromsteuer für alle. Ob das allerdings klappen kann, das stellt SPD-Finanzminister Lars Klingbeil noch am selben Tag in Frage.
Es ist ein Tag, der in die Geschichte eingehen wird: Am 6. Oktober hat der Landtag in Magdeburg mit Tobias Rausch erstmals einen AfD-Politiker zum Parlamentspräsidenten gewählt. Rausch bekam dabei mehr Stimmen als AfD und BSW zusammen haben. Auch der als besonders radikal geltende Hans-Thomas Tillschneider schaffte es als Vizepräsident ins Präsidium. Woher die zusätzlichen Stimmen für Rausch kamen, ist unklar. Klar ist aber: Die angekündigte Enthaltung der CDU-Fraktion hat nicht gehalten, und die Fraktion von Sven Schulze wirkt zerstrittener denn je. Kanzler und CDU-Chef Friedrich Merz äußerte sich erst am Tag danach und brachte gleich eine mögliche „False-Flag“-Operation ins Spiel. Ganz anders Boris Pistorius: Er zog noch am selben Abend mit der SPD-Fraktion auf den Bebelplatz in Berlin und stimmte die Nationalhymne an. Die Union wiederum richtet den Blick augenscheinlich lieber nach Berlin. Dort haben Linke, SPD und Grüne vor ihren Sondierungsgesprächen Regeln für den Umgang mit Antisemitismus in den eigenen Reihen vereinbart.