
Show Notes
Ein Gespräch, für das auch ein kurzer Anruf gereicht hätte: So verspottete der russische Außenminister Sergej Lawrow im Nachhinein die 20-minütige Zusammenkunft mit Bundesaußenminister Johann Wadephul am Rande der UN-Generalversammlung in New York – das erste derartige Treffen von Angesicht zu Angesicht seit Beginn der russischen Vollinvasion der Ukraine 2022. Doch von ernsthaften Verhandlungen über ein Ende von Russlands Krieg gegen die Ukraine kann nach wie vor keine Rede sein. Im Gegenteil: Zunehmende hybride Attacken und Angriffe bewaffneter Drohnen auch auf EU- und Nato-Gebiet legen nahe, dass das Putin-Regime den Krieg noch ausweiten will.
Wie klug ist vor diesem Hintergrund die deutsche Russland-Politik? In einer Zeit, in der russische Propaganda auch in den innenpolitischen Debatten in Deutschland immer mehr zu verfangen scheint? Dieser Frage geht Anne Will im Gespräch mit Gesine Dornblüth nach. Dornblüth ist Journalistin und Autorin und kennt sich in Russland bestens aus. Sie hat viele Jahre als Korrespondentin in Moskau gelebt und pflegt noch immer Kontakte zu Menschen im Land, wenn auch unter erschwerten Bedingungen. Dornblüth spricht darüber, wie man mit der anhaltenden Bedrohung umgehen sollte – und warum sie denkt, dass es für Deutschland teurer werden könnte, die Hilfen für die Ukraine einzustellen, als sie weiterlaufen zu lassen.
Redaktionsschluss für diese Folge war am 29.09.2026 um 16:00 Uhr.
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06.10.2026 Hannover
03.11.2026 Berlin
WICHTIGE QUELLEN:
NTV: Lawrow provoziert Wadephul mit Pamphlet – der bleibt eiskalt, 28.09.2026
ZEIT: Der deutsche Einsatz wurde gerade erhöht, von Jörg Lau, 27.09.2026
SZ: Der Süden bittet ausgerechnet Deutschland um Hilfe mit Russland? Wie absurd, von Daniel Brössler, 28.09.2026
ZEIT: Russisches Gas: Es war nie billig, von Michael Thumann, 28.09.2026
https://www.zeit.de/politik/ausland/2026-09/russisches-gas-pipelines-deutschland-billig-5vor8
WELT: „Lawrow hat unseren Außenminister abtropfen lassen und ihn lächerlich gemacht“, von Kerstin Rottmann, 29.09.2026
Tagesthemen: Wadephul über das Treffen mit Lawrow, 26.09.2026
https://www.tagesschau.de/tagesthemen/video-1656100.html
ZDF: Wadephul: Habe Lawrow "angeboten, zu deeskalieren", 26.09.2026
https://www.zdfheute.de/politik/wadephul-interview-treffen-lawrow-ukraine-krieg-russland-100.html
Radosław Sikorski: Rede vor dem UN-Sicherheitsrat, 23.09.2026
https://www.youtube.com/watch?v=HZO2ARlJTAA
Bücher von Gesine Dornblüth und Thomas Franke:
Jenseits von Putin – Russlands toxische Gesellschaft, Herder-Verlag 2023
Putins Gift – Russlands Angriff auf Europas Freiheit, Herder-Verlag 2024
Kampf um die Freiheit – Georgien und der lange Arm des Kreml, Herder-Verlag 2025
Impressum:
Redaktion: Tobias Jaecker, Melisa Gürleyen
Executive Producerin: Marie Schiller
Producer: Lukas Hambach, Alex Kraudelt
Sounddesign: Hannes Husten
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Die CDU stecke in der schwersten Krise ihrer Geschichte, sagt Peter Altmaier, der für die CDU unter anderem Wirtschafts- und Kanzleramtsminister war. Seit 50 Jahren ist er Parteimitglied. In dieser Folge blickt Anne Will mit ihm auf die aktuelle Lage der Partei und auf den Zustand der schwarz-roten Koalition. Denn der Rücktritt von Bärbel Bas als Ministerin für Arbeit und Soziales sowie vom SPD-Vorsitz am Montag hat für Unruhe im politischen Berlin gesorgt. Bas begründet ihre Entscheidung mit einem privaten Trauerfall, kritisiert aber auch den Koalitionspartner. Die Union habe “öffentlichen Angriffe” gegen sie in dieser für sie “persönlich schwierigen Zeit weiter forciert”. Es ist ein nächster Schlag für die schwarz-rote Koalition, auch für den Bundeskanzler, für den der Rücktritt zur Unzeit kam: Merz versuchte gerade, seine CDU mit einer Präsidiumsklausur ein Stück weit aus der Krise zu manövrieren. Das Ergebnis blieb hinter den Erwartungen zurück. Die Stromsteuer solle, wie bereits im Koalitionsvertrag versprochen, für alle gesenkt werden, um das Leben bezahlbarer zu machen, versprach Merz. Das kassierte SPD-Finanzminister Klingbeil noch am selben Tag ein - dafür sei kein Geld da.
Anfang der Woche ist Bärbel Bas als Ministerin für Arbeit und Soziales zurückgetreten, auch den SPD-Vorsitz legte sie nieder. Grund dafür seien, neben einem Trauerfall in der Familie, auch Angriffe des Koalitionspartners. Die Union habe diese in der für sie “persönlich schwierigen Zeit weiter forciert”. Führende Stimmen der SPD schließen sich der Kritik an, die Union weist sie zurück. Am selben Tag hat Bundeskanzler Friedrich Merz die Ergebnisse der CDU-Führungsklausur vorgestellt, bei der die Parteiführung nach einem Weg aus ihrer schweren Krise gesucht hat. Die konkreteste Maßnahme, die der Bundeskanzler daraufhin vorgestellt hat: die Senkung der Stromsteuer für alle. Ob das allerdings klappen kann, das stellt SPD-Finanzminister Lars Klingbeil noch am selben Tag in Frage.
Es ist ein Tag, der in die Geschichte eingehen wird: Am 6. Oktober hat der Landtag in Magdeburg mit Tobias Rausch erstmals einen AfD-Politiker zum Parlamentspräsidenten gewählt. Rausch bekam dabei mehr Stimmen als AfD und BSW zusammen haben. Auch der als besonders radikal geltende Hans-Thomas Tillschneider schaffte es als Vizepräsident ins Präsidium. Woher die zusätzlichen Stimmen für Rausch kamen, ist unklar. Klar ist aber: Die angekündigte Enthaltung der CDU-Fraktion hat nicht gehalten, und die Fraktion von Sven Schulze wirkt zerstrittener denn je. Kanzler und CDU-Chef Friedrich Merz äußerte sich erst am Tag danach und brachte gleich eine mögliche „False-Flag“-Operation ins Spiel. Ganz anders Boris Pistorius: Er zog noch am selben Abend mit der SPD-Fraktion auf den Bebelplatz in Berlin und stimmte die Nationalhymne an. Die Union wiederum richtet den Blick augenscheinlich lieber nach Berlin. Dort haben Linke, SPD und Grüne vor ihren Sondierungsgesprächen Regeln für den Umgang mit Antisemitismus in den eigenen Reihen vereinbart.