
Show Notes
Kurz nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt: Die dort als gesichert rechtsextremistisch eingestufte AfD ist mit 43,8 Prozent der Stimmen stärkste Kraft geworden und könnte mit Ulrich Siegmund den nächsten Ministerpräsidenten stellen. Die CDU halbiert indessen ihren Stimmenanteil und landet bei nur noch 17,2 Prozent.
Wie geht es nach der Wahl weiter? Wie kann eine Regierung zustande kommen und wie gespalten ist die CDU vor Ort? Denn dieser Wahlabend setzt die CDU unter Druck – auch in Berlin. Findet Bundeskanzler Merz die richtigen Antworten darauf, oder ist er tatsächlich schon richtig angezählt? Verfolgt die AfD den Plan, die CDU zu zerschlagen? Und geht dieser Plan auf?
Das bespricht Anne Will mit Nadine Lindner, Hauptstadtkorrespondentin für die Programme des Deutschlandradios. Lindner berichtet seit Jahren über die AfD und Ostdeutschland und hat die Wahl aus der Nähe beobachtet. Mehrere Wochen war sie in Sachsen-Anhalt unterwegs. Sie kann beschreiben, was die CDU im Wahlkampf versäumt hat, welche Lücken die AfD füllt und was die Menschen im Land zur AfD treibt.
Gleichzeitig ist sie in den Tagen nach der Wahl ganz nah dran: Sie beobachtet, was die Parteien aus dem Wahlergebnis machen, wie sie sich jetzt neu sortieren – und: Geht der Plan der AfD jetzt auf?
Redaktionsschluss für diese Folge war am Mittwoch, den 9. September 2026 um 17 Uhr.
DEN PODCAST WERBEFREI HÖREN
Werde Mitglied bei Politik mit Anne Will und zahle 4,99 Euro im Monat und höre den Podcast dafür komplett werbefrei und in der Podcast-App deiner Wahl.
Alle Infos unter: https://will-media.de/mitglied-werden/#mitglied-werden
WERBUNG UND RABATTE:
https://linktr.ee/werbungannewill
Sie möchten Werbung in unserem Podcast schalten? Dann schreiben Sie eine Mail an: [email protected]
Politik mit Anne Will geht auf Live-Tour - jetzt Tickets sichern:
https://tix.to/politik-mit-anne-will-podcast-live-2026
06.10.2026 Hannover
03.11.2026 Berlin
WICHTIGE QUELLEN:
Deutschlandfunk: Die Partei kommt ihren strategischen Zielen näher, Kommentar zur AfD von Nadine Lindner, 07.09.2026
Die Zeit: Die Zerstörung der CDU, von Martin Machowecz, August Modersohn, Martin Nejezchleba, Cornelius Pollmer und Tilman Steffen, 09.09.2026
https://www.zeit.de/2026/39/cdu-sachsen-anhalt-sepp-mueller-sven-schulze-afd-landtag
Welt: Der Beginn des Zerfalls der CDU, von Nikolaus Doll, 09.09.2026 https://www.welt.de/debatte/plus6aa10801639d45f0a23ced09/sachsen-anhalt-der-beginn-des-zerfalls-der-cdu.html
Die Zeit: Diese 39 AfDler kommen jetzt in den Magdeburger Landtag, von Gregor Aisch, Marina Guldimann, Christoph Heinemann, Stephanie Jauss, Alicia Kleer, Mariya Martiyenko, Christian Parth, Tilman Steffen und Anastasia Tikhomirova, 08.09.2026
Der Spiegel: Dieses Foto ist für die CDU ein gewaltiges Problem. Und ein Glücksfall für die AfD, Peter Maxwill, 15.06.2026
Impressum:
Redaktion: Isabel Woop, Marie Schiller
Executive Producerin: Marie Schiller
Producer: Patrick Zahn, Lukas Hambach
Sounddesign: Hannes Husten
Wenn ihr Werbung schalten wollt, wendet euch gerne an die Mit Vergnügen GmbH
Eine Produktion der Will Media GmbH Learn more about your ad choices. Visit megaphone.fm/adchoices
More from Politik mit Anne Will
Wie stabil ist unsere Demokratie? Was passiert, wenn das Vertrauen in Politik und Institutionen schwindet? Und welche Rolle spielt unsere Angst vor der Zukunft?
Die CDU stecke in der schwersten Krise ihrer Geschichte, sagt Peter Altmaier, der für die CDU unter anderem Wirtschafts- und Kanzleramtsminister war. Seit 50 Jahren ist er Parteimitglied. In dieser Folge blickt Anne Will mit ihm auf die aktuelle Lage der Partei und auf den Zustand der schwarz-roten Koalition. Denn der Rücktritt von Bärbel Bas als Ministerin für Arbeit und Soziales sowie vom SPD-Vorsitz am Montag hat für Unruhe im politischen Berlin gesorgt. Bas begründet ihre Entscheidung mit einem privaten Trauerfall, kritisiert aber auch den Koalitionspartner. Die Union habe “öffentlichen Angriffe” gegen sie in dieser für sie “persönlich schwierigen Zeit weiter forciert”. Es ist ein nächster Schlag für die schwarz-rote Koalition, auch für den Bundeskanzler, für den der Rücktritt zur Unzeit kam: Merz versuchte gerade, seine CDU mit einer Präsidiumsklausur ein Stück weit aus der Krise zu manövrieren. Das Ergebnis blieb hinter den Erwartungen zurück. Die Stromsteuer solle, wie bereits im Koalitionsvertrag versprochen, für alle gesenkt werden, um das Leben bezahlbarer zu machen, versprach Merz. Das kassierte SPD-Finanzminister Klingbeil noch am selben Tag ein - dafür sei kein Geld da.
Anfang der Woche ist Bärbel Bas als Ministerin für Arbeit und Soziales zurückgetreten, auch den SPD-Vorsitz legte sie nieder. Grund dafür seien, neben einem Trauerfall in der Familie, auch Angriffe des Koalitionspartners. Die Union habe diese in der für sie “persönlich schwierigen Zeit weiter forciert”. Führende Stimmen der SPD schließen sich der Kritik an, die Union weist sie zurück. Am selben Tag hat Bundeskanzler Friedrich Merz die Ergebnisse der CDU-Führungsklausur vorgestellt, bei der die Parteiführung nach einem Weg aus ihrer schweren Krise gesucht hat. Die konkreteste Maßnahme, die der Bundeskanzler daraufhin vorgestellt hat: die Senkung der Stromsteuer für alle. Ob das allerdings klappen kann, das stellt SPD-Finanzminister Lars Klingbeil noch am selben Tag in Frage.
Es ist ein Tag, der in die Geschichte eingehen wird: Am 6. Oktober hat der Landtag in Magdeburg mit Tobias Rausch erstmals einen AfD-Politiker zum Parlamentspräsidenten gewählt. Rausch bekam dabei mehr Stimmen als AfD und BSW zusammen haben. Auch der als besonders radikal geltende Hans-Thomas Tillschneider schaffte es als Vizepräsident ins Präsidium. Woher die zusätzlichen Stimmen für Rausch kamen, ist unklar. Klar ist aber: Die angekündigte Enthaltung der CDU-Fraktion hat nicht gehalten, und die Fraktion von Sven Schulze wirkt zerstrittener denn je. Kanzler und CDU-Chef Friedrich Merz äußerte sich erst am Tag danach und brachte gleich eine mögliche „False-Flag“-Operation ins Spiel. Ganz anders Boris Pistorius: Er zog noch am selben Abend mit der SPD-Fraktion auf den Bebelplatz in Berlin und stimmte die Nationalhymne an. Die Union wiederum richtet den Blick augenscheinlich lieber nach Berlin. Dort haben Linke, SPD und Grüne vor ihren Sondierungsgesprächen Regeln für den Umgang mit Antisemitismus in den eigenen Reihen vereinbart.
Es ist eine historische Zäsur: In Sachsen-Anhalt gibt es den ersten Landtagspräsidenten einer rechtsextremen Partei. Darüber hinaus hofft AfD-Mann Ulrich Siegmund, bald zum Ministerpräsidenten gewählt zu werden. Dass es so weit kommen konnte, dazu haben auch der Einsatz und die Macht von Social Media beigetragen. AfD & Co. besetzten diesen Kommunikationsraum schon früh und nutzten ihn höchst effektiv. Zu Gute kommt ihnen dabei die algorithmische Verstärkung von Empörung, Krawall und Hass. Und die demokratischen Parteien? Sehen alt aus.