
Show Notes
Die AfD ist bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt die mit Abstand stärkste Kraft geworden. Welchen Folgen hat diese Wahl? Könnte die als rechtsextrem eingestufte Partei dort künftig sogar den Ministerpräsidenten stellen? Das wäre eine Zäsur, sagt Politikwissenschaftler und Historiker Herfried Münkler.
Spitzenkandidat Ulrich Siegmund spricht am Wahlabend vom „Beginn einer neuen Zeit“ und auch Bundessprecherin Alice Weidel zeigt sich siegessicher. Sie prophezeit einen Durchmarsch bei allen anstehenden Wahlen, von denen die CDU - sagt sie - keine einzige mehr gewinnen werde. Dieses Szenario macht vielen Menschen in Deutschland Angst. Wann ist der Vergleich zur Weimarer Republik gerechtfertigt? Und woran merkt man, dass eine Demokratie kippt? Diese großen Fragen bespricht Anne Will mit Herfried Münkler.
Redaktionsschluss für diese Folge war am Dienstag, den 8. September 2026 um 15 Uhr.
Korrektur:
Das Zitat "Stell dir vor, es ist Krieg..." ist eine Übersetzung aus dem Englischen und stammt aus einem Gedicht des amerikanischen Dichters Carl Sandburg aus dem Jahr 1936. Der Nachsatz wurde später anonym hinzugedichtet.
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06.10.2026 Hannover
03.11.2026 Berlin
WICHTIGE QUELLEN:
Sueddeutsche Zeitung: „Es regiert der reine Tumult“, Interview von Moritz Baumstieger und Alexander Gorkow mit Herfried Münkler, 07.03.2025
https://www.sueddeutsche.de/kultur/herfried-muenkler-interview-trump-ukraine-li.3185266
Handelsblatt.de: Ulrich Siegmund ist vom Jäger zum Gejagten geworden, Gastbeitrag von Herfried Münkler, 07.09.2025
Der Freitag: „Für ein AfD-Verbot ist es zu spät“, Interview von Jakob Augstein mit Herfried Münkler, 29.04.2024
Die Zeit: Wann kippt es?, Essay von Frank Werner aus ZEIT Geschichte Nr. 04/2026, 15.08.2026
Sueddeutsche Zeitung: Politisches Patt in Sachsen-Anhalt, von Berit Kruse und Vivien Götz, 07.09.2026
Die Zeit: Wenn das die Mitte ist, dann gute Nacht, von Robert Pausch, 07.09.2026
https://www.zeit.de/2026-09/wahl-sachsen-anhalt-ergebnisse-politische-kommunikation
Die Zeit: Sie haben richtig was kaputt gemacht, von Christian Bangel, 07.09.2026
https://www.zeit.de/politik/deutschland/2026-09/afd-waehler-empathie-mitgefuehl-sachsen-anhalt
Spiegel: Die Brandmauer ist blau, von Nikolaus Blome, 07.09.2026
FAS: „Das klingt ein bisschen nach Nürnberger Rassegesetzen“, Interview von Ralph Bollmann mit dem Historiker Götz Aly
Landeszentrale für Politische Bildung: Sachsen-Anhalt-Monitor 2025
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Wie stabil ist unsere Demokratie? Was passiert, wenn das Vertrauen in Politik und Institutionen schwindet? Und welche Rolle spielt unsere Angst vor der Zukunft?
Die CDU stecke in der schwersten Krise ihrer Geschichte, sagt Peter Altmaier, der für die CDU unter anderem Wirtschafts- und Kanzleramtsminister war. Seit 50 Jahren ist er Parteimitglied. In dieser Folge blickt Anne Will mit ihm auf die aktuelle Lage der Partei und auf den Zustand der schwarz-roten Koalition. Denn der Rücktritt von Bärbel Bas als Ministerin für Arbeit und Soziales sowie vom SPD-Vorsitz am Montag hat für Unruhe im politischen Berlin gesorgt. Bas begründet ihre Entscheidung mit einem privaten Trauerfall, kritisiert aber auch den Koalitionspartner. Die Union habe “öffentlichen Angriffe” gegen sie in dieser für sie “persönlich schwierigen Zeit weiter forciert”. Es ist ein nächster Schlag für die schwarz-rote Koalition, auch für den Bundeskanzler, für den der Rücktritt zur Unzeit kam: Merz versuchte gerade, seine CDU mit einer Präsidiumsklausur ein Stück weit aus der Krise zu manövrieren. Das Ergebnis blieb hinter den Erwartungen zurück. Die Stromsteuer solle, wie bereits im Koalitionsvertrag versprochen, für alle gesenkt werden, um das Leben bezahlbarer zu machen, versprach Merz. Das kassierte SPD-Finanzminister Klingbeil noch am selben Tag ein - dafür sei kein Geld da.
Anfang der Woche ist Bärbel Bas als Ministerin für Arbeit und Soziales zurückgetreten, auch den SPD-Vorsitz legte sie nieder. Grund dafür seien, neben einem Trauerfall in der Familie, auch Angriffe des Koalitionspartners. Die Union habe diese in der für sie “persönlich schwierigen Zeit weiter forciert”. Führende Stimmen der SPD schließen sich der Kritik an, die Union weist sie zurück. Am selben Tag hat Bundeskanzler Friedrich Merz die Ergebnisse der CDU-Führungsklausur vorgestellt, bei der die Parteiführung nach einem Weg aus ihrer schweren Krise gesucht hat. Die konkreteste Maßnahme, die der Bundeskanzler daraufhin vorgestellt hat: die Senkung der Stromsteuer für alle. Ob das allerdings klappen kann, das stellt SPD-Finanzminister Lars Klingbeil noch am selben Tag in Frage.
Es ist ein Tag, der in die Geschichte eingehen wird: Am 6. Oktober hat der Landtag in Magdeburg mit Tobias Rausch erstmals einen AfD-Politiker zum Parlamentspräsidenten gewählt. Rausch bekam dabei mehr Stimmen als AfD und BSW zusammen haben. Auch der als besonders radikal geltende Hans-Thomas Tillschneider schaffte es als Vizepräsident ins Präsidium. Woher die zusätzlichen Stimmen für Rausch kamen, ist unklar. Klar ist aber: Die angekündigte Enthaltung der CDU-Fraktion hat nicht gehalten, und die Fraktion von Sven Schulze wirkt zerstrittener denn je. Kanzler und CDU-Chef Friedrich Merz äußerte sich erst am Tag danach und brachte gleich eine mögliche „False-Flag“-Operation ins Spiel. Ganz anders Boris Pistorius: Er zog noch am selben Abend mit der SPD-Fraktion auf den Bebelplatz in Berlin und stimmte die Nationalhymne an. Die Union wiederum richtet den Blick augenscheinlich lieber nach Berlin. Dort haben Linke, SPD und Grüne vor ihren Sondierungsgesprächen Regeln für den Umgang mit Antisemitismus in den eigenen Reihen vereinbart.
Es ist eine historische Zäsur: In Sachsen-Anhalt gibt es den ersten Landtagspräsidenten einer rechtsextremen Partei. Darüber hinaus hofft AfD-Mann Ulrich Siegmund, bald zum Ministerpräsidenten gewählt zu werden. Dass es so weit kommen konnte, dazu haben auch der Einsatz und die Macht von Social Media beigetragen. AfD & Co. besetzten diesen Kommunikationsraum schon früh und nutzten ihn höchst effektiv. Zu Gute kommt ihnen dabei die algorithmische Verstärkung von Empörung, Krawall und Hass. Und die demokratischen Parteien? Sehen alt aus.