
Show Notes
“Deutschland wieder flott zu kriegen” - mit diesem ambitionierten Ziel ist Friedrich Merz am Donnerstag bei der Pressekonferenz zum Koalitionsausschuss angetreten. Der Druck auf die Bundesregierung war zuvor gewaltig, die Erwartungen hoch. Zahlreiche Reformvorhaben sollten noch vor der Sommerpause auf den Weg gebracht werden. Bei den Vorschlägen zu Gesundheit, Pflege und Rente waren sich Union und SPD schon zuvor weitgehend einig. Bei Reformen der Einkommensteuer und des Arbeitsmarkts nicht.Und doch hat sich die Koalition zusammengerauft: Am Donnerstag haben die Parteivorsitzenden ein Paket aus 34 Punkten vorgelegt. Bei der Einkommensteuer soll ab 2027 vor allem für Familien mit kleinen und mittleren Einkommen mehr übrig bleiben. Gegenfinanziert über eine höhere Reichensteuer. Unter anderem gibt es beim Arbeitsmarkt Zugeständnisse beim Kündigungsschutz und die telefonische Krankschreibung soll wieder abgeschafft werden.
Mit Kristina Dunz, stellvertretende Leiterin des Hauptstadtbüros des Redaktionsnetzwerks Deutschland, ordnet Anne Will in dieser Folge die Ergebnisse des Koalitionsausschusses ein. Sind sie wirklich der große Wurf? Was bedeuten die Reformen für die Menschen im Land? Und können sie der Koalition Rückenwind geben und die Talfahrt bei den Umfragewerten stoppen? Außerdem spricht Anne Will mit Kristina Dunz in dieser Folge über die verkorksten WM-Aus-Posts des Bundeskanzlers und darüber, wie viel mehr Netto vom Brutto bald für die meisten übrig bleiben könnte.
Redaktionsschluss für diese Folge war am 02.07.2026 um 18 Uhr.
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WICHTIGE QUELLEN:
Bundesregierung, Ein Programm für Aufschwung und Beschäftigung, 02.07.2026https://www.bundesregierung.de/resource/blob/2196306/2445592/bc8e5e160d879f0bdd593121a96a45d2/2026-07-02-koaausschuss-data.pdf?download=1
RND, Steuern, Wohnungsbau, Sozialleistungen: Was die Koalition beschlossen hat, 02.07.2026https://www.rnd.de/politik/steuern-wohnungsbau-sozialleistungen-welche-reformen-die-koalition-beschlossen-hat-R2LGB34CSFHJVFQOIY5447IMGA.html
RND, Der Absturz des Adlers, 30.06.2026 https://www.rnd.de/politik/der-absturz-des-adlers-was-merz-und-nagelsmann-verbindet-und-wie-deutschland-aus-der-krise-kommt-RZB4WE6TAFFRJFQVECXOL2U4GY.html
Spiegel, Gelingt der Regierung doch noch der große Wurf?, 01.07.2026 https://www.spiegel.de/politik/deutschland/koalition-und-reformen-gelingt-der-regierung-doch-noch-der-grosse-wurf-a-c946092b-51f7-4354-882b-aa17a56b0193
Süddeutsche, Jetzt geht’s um alles, 30.06.2026 https://www.sueddeutsche.de/politik/koalitionsausschuss-schwarz-rote-koalition-steuern-arbeitsmarkt-reformen-plaene-li.3507835
Stern, Bis zu 900 Euro im Jahr: Klingbeil will 35 Millionen Steuerzahler entlasten, 30.06.2026 https://www.stern.de/politik/deutschland/steuerentlastung-von-bis-zu-900-euro--lars-klingbeil-legt-konzepte-vor-37624150.html
ZEIT, Koalitionsausschuss: Tausche mehr Reichensteuer gegen weniger Kündigungsschutz, 01.07.2026 https://www.zeit.de/politik/deutschland/2026-06/koalitionsausschuss-reformpaket-steuer-rente-arbeitsmarkt-bundesregierung
Spiegel, Chronik eines verunglückten Kanzler-Tweets, 01.07.2026 https://www.spiegel.de/politik/deutschland/friedrich-merz-und-das-wm-aus-chronologie-eines-verunglueckten-tweets-a-4d96e687-5a68-4b8b-a37a-98ea3987ac61
Impressum:
Redaktion: Esther Stephan, Isabel Woop, Felix Schlagwein, Gina Enslin
Executive Producerin: Marie Schiller
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Die CDU stecke in der schwersten Krise ihrer Geschichte, sagt Peter Altmaier, der für die CDU unter anderem Wirtschafts- und Kanzleramtsminister war. Seit 50 Jahren ist er Parteimitglied. In dieser Folge blickt Anne Will mit ihm auf die aktuelle Lage der Partei und auf den Zustand der schwarz-roten Koalition. Denn der Rücktritt von Bärbel Bas als Ministerin für Arbeit und Soziales sowie vom SPD-Vorsitz am Montag hat für Unruhe im politischen Berlin gesorgt. Bas begründet ihre Entscheidung mit einem privaten Trauerfall, kritisiert aber auch den Koalitionspartner. Die Union habe “öffentlichen Angriffe” gegen sie in dieser für sie “persönlich schwierigen Zeit weiter forciert”. Es ist ein nächster Schlag für die schwarz-rote Koalition, auch für den Bundeskanzler, für den der Rücktritt zur Unzeit kam: Merz versuchte gerade, seine CDU mit einer Präsidiumsklausur ein Stück weit aus der Krise zu manövrieren. Das Ergebnis blieb hinter den Erwartungen zurück. Die Stromsteuer solle, wie bereits im Koalitionsvertrag versprochen, für alle gesenkt werden, um das Leben bezahlbarer zu machen, versprach Merz. Das kassierte SPD-Finanzminister Klingbeil noch am selben Tag ein - dafür sei kein Geld da.
Anfang der Woche ist Bärbel Bas als Ministerin für Arbeit und Soziales zurückgetreten, auch den SPD-Vorsitz legte sie nieder. Grund dafür seien, neben einem Trauerfall in der Familie, auch Angriffe des Koalitionspartners. Die Union habe diese in der für sie “persönlich schwierigen Zeit weiter forciert”. Führende Stimmen der SPD schließen sich der Kritik an, die Union weist sie zurück. Am selben Tag hat Bundeskanzler Friedrich Merz die Ergebnisse der CDU-Führungsklausur vorgestellt, bei der die Parteiführung nach einem Weg aus ihrer schweren Krise gesucht hat. Die konkreteste Maßnahme, die der Bundeskanzler daraufhin vorgestellt hat: die Senkung der Stromsteuer für alle. Ob das allerdings klappen kann, das stellt SPD-Finanzminister Lars Klingbeil noch am selben Tag in Frage.
Es ist ein Tag, der in die Geschichte eingehen wird: Am 6. Oktober hat der Landtag in Magdeburg mit Tobias Rausch erstmals einen AfD-Politiker zum Parlamentspräsidenten gewählt. Rausch bekam dabei mehr Stimmen als AfD und BSW zusammen haben. Auch der als besonders radikal geltende Hans-Thomas Tillschneider schaffte es als Vizepräsident ins Präsidium. Woher die zusätzlichen Stimmen für Rausch kamen, ist unklar. Klar ist aber: Die angekündigte Enthaltung der CDU-Fraktion hat nicht gehalten, und die Fraktion von Sven Schulze wirkt zerstrittener denn je. Kanzler und CDU-Chef Friedrich Merz äußerte sich erst am Tag danach und brachte gleich eine mögliche „False-Flag“-Operation ins Spiel. Ganz anders Boris Pistorius: Er zog noch am selben Abend mit der SPD-Fraktion auf den Bebelplatz in Berlin und stimmte die Nationalhymne an. Die Union wiederum richtet den Blick augenscheinlich lieber nach Berlin. Dort haben Linke, SPD und Grüne vor ihren Sondierungsgesprächen Regeln für den Umgang mit Antisemitismus in den eigenen Reihen vereinbart.
Es ist eine historische Zäsur: In Sachsen-Anhalt gibt es den ersten Landtagspräsidenten einer rechtsextremen Partei. Darüber hinaus hofft AfD-Mann Ulrich Siegmund, bald zum Ministerpräsidenten gewählt zu werden. Dass es so weit kommen konnte, dazu haben auch der Einsatz und die Macht von Social Media beigetragen. AfD & Co. besetzten diesen Kommunikationsraum schon früh und nutzten ihn höchst effektiv. Zu Gute kommt ihnen dabei die algorithmische Verstärkung von Empörung, Krawall und Hass. Und die demokratischen Parteien? Sehen alt aus.