
Show Notes
Die Wirtschaft lahmt, die sozialen Sicherungssysteme sind am Limit. Und die schwarz-rote Bundesregierung diskutiert, ob in Deutschland zu wenig gearbeitet wird. Kanzler Friedrich Merz kritisiert ein ums andere Mal die angebliche Orientierung vieler Menschen an einer “Work-Life-Balance”, kritisiert übermäßige Teilzeit-Wünsche, zu viele Fehltage, eine zu frühe Rente. Markus Söder meint, eine Stunde mehr pro Woche wäre ja wohl drin. Und selbst Finanzminister Lars Klingbeil findet: “Wir werden als Gesellschaft insgesamt mehr arbeiten müssen”.
Arbeiten die Deutschen doch zu wenig? Darüber spricht Anne Will mit der DGB-Vorsitzenden Yasmin Fahimi. Beim Gewerkschaftskongress in Berlin wurde Merz kürzlich auf offener Bühne ausgepfiffen. Was sagt Fahimi dazu? Warum gibt sie sich gegenüber den Wünschen nach mehr Flexibilität auf dem Arbeitsmarkt so kompromisslos? Oder gibt es Bereiche, in denen mehr oder eine andere Form von Arbeit nötig und sinnvoll wäre – zum Wohle der Wirtschaft, aber auch im Sinne des Wohlstands und der Lebenszufriedenheit der arbeitenden Menschen? Wie sieht gute Arbeit in Zukunft aus?
Redaktionsschluss für diese Folge war am 27.05.2026 um 15 Uhr.
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17.06.26 München
06.10.26 Hannover
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WICHTIGE QUELLEN:
Lars Klingbeil, Rede bei der Bertelsmann-Stiftung: „Reformen für ein starkes Land”, 25.03.2026
Friedrich Merz, Rede beim DGB-Bundeskongress in Berlin, 12.05.2026
https://www.bundesregierung.de/breg-de/aktuelles/kanzler-merz-rede-dgb-2430032
SWR: Arbeiten die Deutschen wirklich viel weniger als die Schweizer?, 11.02.2026
Tagesschau: Was beim Arbeitszeitgesetz geplant ist, 18.05.2026
Kölner Stadtanzeiger: „Wann geht es wieder aufwärts, Frau Reiche?“, 22.05.2026
https://www.ksta.de/politik/interview-wann-geht-es-wieder-aufwaerts-frau-reiche-1285411
Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung: Der Mythos von den faulen Deutschen, 28.05.2025
Impressum:
Redaktion: Tobias Jaecker, Leon Ueberall
Executive Producerin: Marie Schiller
Producer: Patrick Zahn, Lukas Hambach
Sounddesign: Hannes Husten
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Die CDU stecke in der schwersten Krise ihrer Geschichte, sagt Peter Altmaier, der für die CDU unter anderem Wirtschafts- und Kanzleramtsminister war. Seit 50 Jahren ist er Parteimitglied. In dieser Folge blickt Anne Will mit ihm auf die aktuelle Lage der Partei und auf den Zustand der schwarz-roten Koalition. Denn der Rücktritt von Bärbel Bas als Ministerin für Arbeit und Soziales sowie vom SPD-Vorsitz am Montag hat für Unruhe im politischen Berlin gesorgt. Bas begründet ihre Entscheidung mit einem privaten Trauerfall, kritisiert aber auch den Koalitionspartner. Die Union habe “öffentlichen Angriffe” gegen sie in dieser für sie “persönlich schwierigen Zeit weiter forciert”. Es ist ein nächster Schlag für die schwarz-rote Koalition, auch für den Bundeskanzler, für den der Rücktritt zur Unzeit kam: Merz versuchte gerade, seine CDU mit einer Präsidiumsklausur ein Stück weit aus der Krise zu manövrieren. Das Ergebnis blieb hinter den Erwartungen zurück. Die Stromsteuer solle, wie bereits im Koalitionsvertrag versprochen, für alle gesenkt werden, um das Leben bezahlbarer zu machen, versprach Merz. Das kassierte SPD-Finanzminister Klingbeil noch am selben Tag ein - dafür sei kein Geld da.
Anfang der Woche ist Bärbel Bas als Ministerin für Arbeit und Soziales zurückgetreten, auch den SPD-Vorsitz legte sie nieder. Grund dafür seien, neben einem Trauerfall in der Familie, auch Angriffe des Koalitionspartners. Die Union habe diese in der für sie “persönlich schwierigen Zeit weiter forciert”. Führende Stimmen der SPD schließen sich der Kritik an, die Union weist sie zurück. Am selben Tag hat Bundeskanzler Friedrich Merz die Ergebnisse der CDU-Führungsklausur vorgestellt, bei der die Parteiführung nach einem Weg aus ihrer schweren Krise gesucht hat. Die konkreteste Maßnahme, die der Bundeskanzler daraufhin vorgestellt hat: die Senkung der Stromsteuer für alle. Ob das allerdings klappen kann, das stellt SPD-Finanzminister Lars Klingbeil noch am selben Tag in Frage.
Es ist ein Tag, der in die Geschichte eingehen wird: Am 6. Oktober hat der Landtag in Magdeburg mit Tobias Rausch erstmals einen AfD-Politiker zum Parlamentspräsidenten gewählt. Rausch bekam dabei mehr Stimmen als AfD und BSW zusammen haben. Auch der als besonders radikal geltende Hans-Thomas Tillschneider schaffte es als Vizepräsident ins Präsidium. Woher die zusätzlichen Stimmen für Rausch kamen, ist unklar. Klar ist aber: Die angekündigte Enthaltung der CDU-Fraktion hat nicht gehalten, und die Fraktion von Sven Schulze wirkt zerstrittener denn je. Kanzler und CDU-Chef Friedrich Merz äußerte sich erst am Tag danach und brachte gleich eine mögliche „False-Flag“-Operation ins Spiel. Ganz anders Boris Pistorius: Er zog noch am selben Abend mit der SPD-Fraktion auf den Bebelplatz in Berlin und stimmte die Nationalhymne an. Die Union wiederum richtet den Blick augenscheinlich lieber nach Berlin. Dort haben Linke, SPD und Grüne vor ihren Sondierungsgesprächen Regeln für den Umgang mit Antisemitismus in den eigenen Reihen vereinbart.
Es ist eine historische Zäsur: In Sachsen-Anhalt gibt es den ersten Landtagspräsidenten einer rechtsextremen Partei. Darüber hinaus hofft AfD-Mann Ulrich Siegmund, bald zum Ministerpräsidenten gewählt zu werden. Dass es so weit kommen konnte, dazu haben auch der Einsatz und die Macht von Social Media beigetragen. AfD & Co. besetzten diesen Kommunikationsraum schon früh und nutzten ihn höchst effektiv. Zu Gute kommt ihnen dabei die algorithmische Verstärkung von Empörung, Krawall und Hass. Und die demokratischen Parteien? Sehen alt aus.