
Show Notes
Kurz vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt: Noch nie war die AfD einer möglichen Regierungsübernahme so nahe, in jüngsten Umfragen kommt sie auf 42 Prozent. Was sind die Gründe? Das bespricht Anne Will in dieser Folge mit Cornelius Pollmer, Leiter des Ressorts ZEIT im Osten. Pollmer beobachtet die Entwicklungen in Sachsen-Anhalt seit vielen Jahren und war in den vergangenen Monaten immer wieder im Land unterwegs. Er hat den Ministerpräsidenten und CDU-Spitzenkandidaten Sven Schulze bei einer mehrtägigen Wahlkampf-Radtour begleitet und war bei Veranstaltungen der AfD mit Ulrich Siegmund. Für viele Anhänger sei der AfD-Spitzenkandidat “eine Art Jesus-Figur”, sagt Pollmer.
Der Journalist warnt im Gespräch mit Anne Will vor einer Normalisierung der AfD – und davor, zu vergessen, welche “Gefahr” und “Härte” von der Partei ausgingen. Ein anschlussfähiger Spitzenkandidat, Unterstützung durch ein radikales Vorfeld, eine von der Bundes-AfD stark gepushte Wahlkampagne, dazu die Unzufriedenheit mit Bundesregierung und Kanzler – und das alles in einem strukturschwachen, schrumpfenden, abgehängten Bundesland: Die Grundlage für den “perfekten Sturm”, wie Pollmer sagt. Wie könnte es nach der Wahl weitergehen? Auch darüber spricht Anne Will mit Cornelius Pollmer.
Redaktionsschluss für diese Folge war am Dienstag, den 1. September 2026 um 16 Uhr.
DEN PODCAST WERBEFREI HÖREN
Werde Mitglied bei Politik mit Anne Will und zahle 4,99 Euro im Monat und höre den Podcast dafür komplett werbefrei und in der Podcast-App deiner Wahl.
Alle Infos unter: https://will-media.de/mitglied-werden/#mitglied-werden
WERBUNG UND RABATTE:
https://linktr.ee/werbungannewill
Sie möchten Werbung in unserem Podcast schalten? Dann schreiben Sie eine Mail an: [email protected]
Politik mit Anne Will geht auf Live-Tour - jetzt Tickets sichern:
https://tix.to/politik-mit-anne-will-podcast-live-2026
06.10.2026 Hannover
03.11.2026 Berlin
WICHTIGE QUELLEN:
Die Zeit: Und auf einmal ist Ulrich Siegmund blank, von Cornelius Pollmer, 27.08.2026
Die Zeit: Kann dieser Normalo den Selfiekönig der AfD besiegen?, von Cornelius Pollmer, 02.08.2026
https://www.zeit.de/2026/33/sven-schulze-cdu-sachsen-anhalt-radtour-landtagswahl-afd/komplettansicht
Die Zeit: Aggressivität ist die neue Umgangsform, Gewalt gehört dazu, Kommentar von August Modersohn, 01.09.2026
Die Zeit: “Wenn die AfD tatsächlich regiert, wird die Enttäuschung riesig sein”, Interview von Marc Widmann mit Joachim Ragnitz, 30.08.2026
Süddeutsche Zeitung: Herzland, Essay von Kathleen Hildebrand, 21.08.2026
Deutschlandfunk: Interview mit Wahlforscher Stefan Merz von Infratest dimap, 31.08.2026
Legal Tribune Online: Wie gefährlich ist das Wahlprogramm der AfD?, 29.08.2026
Süddeutsche Zeitung: Regieren? Vielleicht besser nicht, von Tim Frehler, 30.08.2026
https://www.sueddeutsche.de/politik/afd-sachsen-anhalt-wahl-chancen-regierungsuebernahme-li.3537024
Spiegel: AfD oder Linke – die Christdemokraten suchen nach dem kleineren Übel, von Paul-Anton Krüger, Timo Lehmann und Peter Maxwill, 28.08.2026
Impressum:
Redaktion: Tobias Jaecker, Felix Schlagwein
Executive Producerin: Marie S
More from Politik mit Anne Will
Wie stabil ist unsere Demokratie? Was passiert, wenn das Vertrauen in Politik und Institutionen schwindet? Und welche Rolle spielt unsere Angst vor der Zukunft?
Die CDU stecke in der schwersten Krise ihrer Geschichte, sagt Peter Altmaier, der für die CDU unter anderem Wirtschafts- und Kanzleramtsminister war. Seit 50 Jahren ist er Parteimitglied. In dieser Folge blickt Anne Will mit ihm auf die aktuelle Lage der Partei und auf den Zustand der schwarz-roten Koalition. Denn der Rücktritt von Bärbel Bas als Ministerin für Arbeit und Soziales sowie vom SPD-Vorsitz am Montag hat für Unruhe im politischen Berlin gesorgt. Bas begründet ihre Entscheidung mit einem privaten Trauerfall, kritisiert aber auch den Koalitionspartner. Die Union habe “öffentlichen Angriffe” gegen sie in dieser für sie “persönlich schwierigen Zeit weiter forciert”. Es ist ein nächster Schlag für die schwarz-rote Koalition, auch für den Bundeskanzler, für den der Rücktritt zur Unzeit kam: Merz versuchte gerade, seine CDU mit einer Präsidiumsklausur ein Stück weit aus der Krise zu manövrieren. Das Ergebnis blieb hinter den Erwartungen zurück. Die Stromsteuer solle, wie bereits im Koalitionsvertrag versprochen, für alle gesenkt werden, um das Leben bezahlbarer zu machen, versprach Merz. Das kassierte SPD-Finanzminister Klingbeil noch am selben Tag ein - dafür sei kein Geld da.
Anfang der Woche ist Bärbel Bas als Ministerin für Arbeit und Soziales zurückgetreten, auch den SPD-Vorsitz legte sie nieder. Grund dafür seien, neben einem Trauerfall in der Familie, auch Angriffe des Koalitionspartners. Die Union habe diese in der für sie “persönlich schwierigen Zeit weiter forciert”. Führende Stimmen der SPD schließen sich der Kritik an, die Union weist sie zurück. Am selben Tag hat Bundeskanzler Friedrich Merz die Ergebnisse der CDU-Führungsklausur vorgestellt, bei der die Parteiführung nach einem Weg aus ihrer schweren Krise gesucht hat. Die konkreteste Maßnahme, die der Bundeskanzler daraufhin vorgestellt hat: die Senkung der Stromsteuer für alle. Ob das allerdings klappen kann, das stellt SPD-Finanzminister Lars Klingbeil noch am selben Tag in Frage.
Es ist ein Tag, der in die Geschichte eingehen wird: Am 6. Oktober hat der Landtag in Magdeburg mit Tobias Rausch erstmals einen AfD-Politiker zum Parlamentspräsidenten gewählt. Rausch bekam dabei mehr Stimmen als AfD und BSW zusammen haben. Auch der als besonders radikal geltende Hans-Thomas Tillschneider schaffte es als Vizepräsident ins Präsidium. Woher die zusätzlichen Stimmen für Rausch kamen, ist unklar. Klar ist aber: Die angekündigte Enthaltung der CDU-Fraktion hat nicht gehalten, und die Fraktion von Sven Schulze wirkt zerstrittener denn je. Kanzler und CDU-Chef Friedrich Merz äußerte sich erst am Tag danach und brachte gleich eine mögliche „False-Flag“-Operation ins Spiel. Ganz anders Boris Pistorius: Er zog noch am selben Abend mit der SPD-Fraktion auf den Bebelplatz in Berlin und stimmte die Nationalhymne an. Die Union wiederum richtet den Blick augenscheinlich lieber nach Berlin. Dort haben Linke, SPD und Grüne vor ihren Sondierungsgesprächen Regeln für den Umgang mit Antisemitismus in den eigenen Reihen vereinbart.
Es ist eine historische Zäsur: In Sachsen-Anhalt gibt es den ersten Landtagspräsidenten einer rechtsextremen Partei. Darüber hinaus hofft AfD-Mann Ulrich Siegmund, bald zum Ministerpräsidenten gewählt zu werden. Dass es so weit kommen konnte, dazu haben auch der Einsatz und die Macht von Social Media beigetragen. AfD & Co. besetzten diesen Kommunikationsraum schon früh und nutzten ihn höchst effektiv. Zu Gute kommt ihnen dabei die algorithmische Verstärkung von Empörung, Krawall und Hass. Und die demokratischen Parteien? Sehen alt aus.