
Show Notes
Tage der Entscheidung für die Bundesregierung: In überraschend kurzer Zeit konnten sich Union und SPD auf Haushalts-Eckpunkte und eine weitreichende Gesundheitsreform einigen. Aber der Streit ist schon wieder voll entbrannt. Die SPD fordert lautstark Nachbesserungen bei der beitragsfreien Familien-Mitversicherung und anderen Punkten, in der Union zweifeln schon die Ersten laut am Fortbestand der Koalition. Beim Treffen in der Villa Borsig kürzlich krachte es offenbar heftig – und SPD-Chef Lars Klingbeil prahlt nun sogar schon offen damit, dass er sich für seine Standfestigkeit gerne anbrüllen lasse. Bundeskanzler Friedrich Merz sagt im Spiegel-Interview: “Es fehlt unsere eigene erkennbare Überzeugung, dass diese Reformen richtig sind.”
Ist das politisches Unvermögen oder warum gehen die Koalitionspartner so aufeinander los? Wird nun alles wieder zerredet und verwässert? Und haben die Pläne für eine Reform der Einkommensteuer oder gar der Rente überhaupt noch eine Chance? Darüber spricht Anne Will mit Georg Ismar, Politischer Korrespondent der Süddeutschen Zeitung. Steht die Regierung schon vor dem Ende – oder ist sie angesichts der Krisenlagen zum Erfolg verdammt und kriegt nochmal die Kurve?
Redaktionsschluss für diese Folge war am 29.04.2026 um 16 Uhr
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WICHTIGE QUELLEN:
Süddeutsche Zeitung: „Dann lasse ich mich sehr gerne anbrüllen“, 28.04.2026
Die Zeit: Wird schon schiefgehen, 28.04.2026
Friedrich Merz im Spiegel-Gespräch: “Kein Bundeskanzler vor mir hat so etwas ertragen müssen”, 29.04.2026
Der Spiegel: Und dann geht der Kanzler in der Villa Borsig auf seinen Vizekanzler los, 23.04.2026
Der Spiegel: Die Koalition steht vor ihrer Woche der Wahrheit, 27.04.2026
Gesetzentwurf der Bundesregierung zur Stabilisierung der Beitragssätze in der gesetzlichen Krankenversicherung, 29.04.2026
Finanzkommission Gesundheit: Empfehlungen zur Stabilisierung des Beitragssatzes zur Gesetzlichen Krankenversicherung ab 2027, 30.03.2026
Impressum:
Redaktion: Tobias Jaecker, Leon Ueberall
Executive Producerin: Marie Schiller
Producer: Lukas Hambach, Patrick Zahn
Sounddesign: Hannes Husten
Cover-Foto: Laurence Chaperon
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Die CDU stecke in der schwersten Krise ihrer Geschichte, sagt Peter Altmaier, der für die CDU unter anderem Wirtschafts- und Kanzleramtsminister war. Seit 50 Jahren ist er Parteimitglied. In dieser Folge blickt Anne Will mit ihm auf die aktuelle Lage der Partei und auf den Zustand der schwarz-roten Koalition. Denn der Rücktritt von Bärbel Bas als Ministerin für Arbeit und Soziales sowie vom SPD-Vorsitz am Montag hat für Unruhe im politischen Berlin gesorgt. Bas begründet ihre Entscheidung mit einem privaten Trauerfall, kritisiert aber auch den Koalitionspartner. Die Union habe “öffentlichen Angriffe” gegen sie in dieser für sie “persönlich schwierigen Zeit weiter forciert”. Es ist ein nächster Schlag für die schwarz-rote Koalition, auch für den Bundeskanzler, für den der Rücktritt zur Unzeit kam: Merz versuchte gerade, seine CDU mit einer Präsidiumsklausur ein Stück weit aus der Krise zu manövrieren. Das Ergebnis blieb hinter den Erwartungen zurück. Die Stromsteuer solle, wie bereits im Koalitionsvertrag versprochen, für alle gesenkt werden, um das Leben bezahlbarer zu machen, versprach Merz. Das kassierte SPD-Finanzminister Klingbeil noch am selben Tag ein - dafür sei kein Geld da.
Anfang der Woche ist Bärbel Bas als Ministerin für Arbeit und Soziales zurückgetreten, auch den SPD-Vorsitz legte sie nieder. Grund dafür seien, neben einem Trauerfall in der Familie, auch Angriffe des Koalitionspartners. Die Union habe diese in der für sie “persönlich schwierigen Zeit weiter forciert”. Führende Stimmen der SPD schließen sich der Kritik an, die Union weist sie zurück. Am selben Tag hat Bundeskanzler Friedrich Merz die Ergebnisse der CDU-Führungsklausur vorgestellt, bei der die Parteiführung nach einem Weg aus ihrer schweren Krise gesucht hat. Die konkreteste Maßnahme, die der Bundeskanzler daraufhin vorgestellt hat: die Senkung der Stromsteuer für alle. Ob das allerdings klappen kann, das stellt SPD-Finanzminister Lars Klingbeil noch am selben Tag in Frage.
Es ist ein Tag, der in die Geschichte eingehen wird: Am 6. Oktober hat der Landtag in Magdeburg mit Tobias Rausch erstmals einen AfD-Politiker zum Parlamentspräsidenten gewählt. Rausch bekam dabei mehr Stimmen als AfD und BSW zusammen haben. Auch der als besonders radikal geltende Hans-Thomas Tillschneider schaffte es als Vizepräsident ins Präsidium. Woher die zusätzlichen Stimmen für Rausch kamen, ist unklar. Klar ist aber: Die angekündigte Enthaltung der CDU-Fraktion hat nicht gehalten, und die Fraktion von Sven Schulze wirkt zerstrittener denn je. Kanzler und CDU-Chef Friedrich Merz äußerte sich erst am Tag danach und brachte gleich eine mögliche „False-Flag“-Operation ins Spiel. Ganz anders Boris Pistorius: Er zog noch am selben Abend mit der SPD-Fraktion auf den Bebelplatz in Berlin und stimmte die Nationalhymne an. Die Union wiederum richtet den Blick augenscheinlich lieber nach Berlin. Dort haben Linke, SPD und Grüne vor ihren Sondierungsgesprächen Regeln für den Umgang mit Antisemitismus in den eigenen Reihen vereinbart.
Es ist eine historische Zäsur: In Sachsen-Anhalt gibt es den ersten Landtagspräsidenten einer rechtsextremen Partei. Darüber hinaus hofft AfD-Mann Ulrich Siegmund, bald zum Ministerpräsidenten gewählt zu werden. Dass es so weit kommen konnte, dazu haben auch der Einsatz und die Macht von Social Media beigetragen. AfD & Co. besetzten diesen Kommunikationsraum schon früh und nutzten ihn höchst effektiv. Zu Gute kommt ihnen dabei die algorithmische Verstärkung von Empörung, Krawall und Hass. Und die demokratischen Parteien? Sehen alt aus.