
Show Notes
In diesem September musste die CDU eine Wahlschlappe nach der anderen hinnehmen. Der negative Höhepunkt: zum ersten Mal in ihrer Geschichte scheiterte die Partei in Mecklenburg-Vorpommern bei einer Landtagswahl an der Fünf-Prozent-Hürde. Dort attestieren 86 Prozent der WählerInnen, die CDU habe kein Gespür für die Sorgen einfacher Leute. Auch Bundeskanzler Merz hat katastrophale Zustimmungswerte. Trotzdem will er Kanzler und Parteivorsitzender bleiben.
Seit Wochen wird in den Medien über einen möglichen Kanzlertausch diskutiert. Jede Aussage wird interpretiert. Möchte nicht doch NRW-Ministerpräsident Wüst Kanzler werden? Oder Innenminister Dobrindt? Dennis Radtke sieht diese Debatte kritisch. Er ist Vorsitzender der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft, also des christlich-sozialen Flügels innerhalb der CDU. Er gilt eigentlich als Kritiker von Friedrich Merz und fordert mit Blick auf die Wahlergebnisse eine sozialere Ausrichtung der Union. Im Gespräch mit Anne Will geht es um die Zukunft der CDU, die anstehenden Reformen und die Frage: was hält Merz im Amt?
Redaktionsschluss für diese Folge war am 23.09.2026 um 16:00 Uhr.
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06.10.2026 Hannover
03.11.2026 Berlin
WICHTIGE QUELLEN:
Die Zeit: In Scherben liegen lauter Lebenslügen, 22.09.2026
WELT: Probleme verschwinden nicht dadurch, dass man sie hinter Brandmauern verbannt, 17.09.2026
Deutscher Bundestag: Klöckner und Merkel über Konrad Adenauer, Demokratie und Politik, 22.09.2026
https://www.youtube.com/watch?v=FaSl7Yxfnu4
Tagesschau: Bundeskanzler Merz zu den Wahlen in Berlin und MV, 20.09.2026
https://www.youtube.com/watch?v=qvxjTe2bFXA
Tagesschau: Wahl in Mecklenburg-Vorpommern Die wichtigsten Umfragen im Überblick, 20.09.2026
Impressum:
Redaktion: Sven Knobloch, Leon Ueberall
Executive Producerin: Marie Schiller
Producer: Lukas Hambach
Sounddesign: Hannes Husten
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Wie stabil ist unsere Demokratie? Was passiert, wenn das Vertrauen in Politik und Institutionen schwindet? Und welche Rolle spielt unsere Angst vor der Zukunft?
Die CDU stecke in der schwersten Krise ihrer Geschichte, sagt Peter Altmaier, der für die CDU unter anderem Wirtschafts- und Kanzleramtsminister war. Seit 50 Jahren ist er Parteimitglied. In dieser Folge blickt Anne Will mit ihm auf die aktuelle Lage der Partei und auf den Zustand der schwarz-roten Koalition. Denn der Rücktritt von Bärbel Bas als Ministerin für Arbeit und Soziales sowie vom SPD-Vorsitz am Montag hat für Unruhe im politischen Berlin gesorgt. Bas begründet ihre Entscheidung mit einem privaten Trauerfall, kritisiert aber auch den Koalitionspartner. Die Union habe “öffentlichen Angriffe” gegen sie in dieser für sie “persönlich schwierigen Zeit weiter forciert”. Es ist ein nächster Schlag für die schwarz-rote Koalition, auch für den Bundeskanzler, für den der Rücktritt zur Unzeit kam: Merz versuchte gerade, seine CDU mit einer Präsidiumsklausur ein Stück weit aus der Krise zu manövrieren. Das Ergebnis blieb hinter den Erwartungen zurück. Die Stromsteuer solle, wie bereits im Koalitionsvertrag versprochen, für alle gesenkt werden, um das Leben bezahlbarer zu machen, versprach Merz. Das kassierte SPD-Finanzminister Klingbeil noch am selben Tag ein - dafür sei kein Geld da.
Anfang der Woche ist Bärbel Bas als Ministerin für Arbeit und Soziales zurückgetreten, auch den SPD-Vorsitz legte sie nieder. Grund dafür seien, neben einem Trauerfall in der Familie, auch Angriffe des Koalitionspartners. Die Union habe diese in der für sie “persönlich schwierigen Zeit weiter forciert”. Führende Stimmen der SPD schließen sich der Kritik an, die Union weist sie zurück. Am selben Tag hat Bundeskanzler Friedrich Merz die Ergebnisse der CDU-Führungsklausur vorgestellt, bei der die Parteiführung nach einem Weg aus ihrer schweren Krise gesucht hat. Die konkreteste Maßnahme, die der Bundeskanzler daraufhin vorgestellt hat: die Senkung der Stromsteuer für alle. Ob das allerdings klappen kann, das stellt SPD-Finanzminister Lars Klingbeil noch am selben Tag in Frage.
Es ist ein Tag, der in die Geschichte eingehen wird: Am 6. Oktober hat der Landtag in Magdeburg mit Tobias Rausch erstmals einen AfD-Politiker zum Parlamentspräsidenten gewählt. Rausch bekam dabei mehr Stimmen als AfD und BSW zusammen haben. Auch der als besonders radikal geltende Hans-Thomas Tillschneider schaffte es als Vizepräsident ins Präsidium. Woher die zusätzlichen Stimmen für Rausch kamen, ist unklar. Klar ist aber: Die angekündigte Enthaltung der CDU-Fraktion hat nicht gehalten, und die Fraktion von Sven Schulze wirkt zerstrittener denn je. Kanzler und CDU-Chef Friedrich Merz äußerte sich erst am Tag danach und brachte gleich eine mögliche „False-Flag“-Operation ins Spiel. Ganz anders Boris Pistorius: Er zog noch am selben Abend mit der SPD-Fraktion auf den Bebelplatz in Berlin und stimmte die Nationalhymne an. Die Union wiederum richtet den Blick augenscheinlich lieber nach Berlin. Dort haben Linke, SPD und Grüne vor ihren Sondierungsgesprächen Regeln für den Umgang mit Antisemitismus in den eigenen Reihen vereinbart.
Es ist eine historische Zäsur: In Sachsen-Anhalt gibt es den ersten Landtagspräsidenten einer rechtsextremen Partei. Darüber hinaus hofft AfD-Mann Ulrich Siegmund, bald zum Ministerpräsidenten gewählt zu werden. Dass es so weit kommen konnte, dazu haben auch der Einsatz und die Macht von Social Media beigetragen. AfD & Co. besetzten diesen Kommunikationsraum schon früh und nutzten ihn höchst effektiv. Zu Gute kommt ihnen dabei die algorithmische Verstärkung von Empörung, Krawall und Hass. Und die demokratischen Parteien? Sehen alt aus.